Musakhan
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Musakhan – Levantinisches Brathähnchen auf Sumach-Zwiebeln & Fladenbrot

Meine erste Begegnung mit Musakhan war gar nicht mal so früh in meiner Kindheit. Meine Eltern hatten diese Art Brathähnchen noch nie für uns gemacht und so waren meine Augen groß als ein Freund meines Vaters mal für uns gekocht hat. Der Anblick allein war schon fast majestätisch, als plötzlich eine riesige Servierplatte auf den Tisch gehievt wurde. Ein Festessen!

Wo soll ich nur anfangen? Musakhan besteht eigentlich aus nicht so vielen verschiedenen Komponenten und Zutaten. Und dennoch wirkt es so, als würde man etwas ganz Besonders bekommen. Aber was rede ich denn da? Das Gericht ist tatsächlich etwas ganz Besonderes! Und es erzählt eine ganz wundervolle Geschichte. Die Sichtbaren Zutaten sind natürlich zum einen das Hähnchen, die karamellisierten Sumach-Zwiebeln, die gerösteten Pinienkerne (oder auch blanchierte Mandeln) und das Fladenbrot auf dem alles schön ausgebreitet serviert wird. Aber eine Zutat sieht man nicht direkt.

Die Geschichte von Musakhan ist eine Geschichte guten Olivenöls

Richtig, die Zutat von der ich spreche ist das Olivenöl.
Musakhan entspringt der palästinensischen Küche und dort, wie auch in der übrigen Levante, gibt es eine große Tradition des Olivenanbaus und der Herstellung von bestem Olivenöl. Die palästinensischen Olivenbauern unterziehen seit jeher ihrem Olivenöl mit Muskahan einen Qualitätstest. Aber nicht nur das – sie zelebrieren ihr Produkt selbstverständlich auch mit diesen fantastischem Gericht.

Gutes Olivenöl verursacht z.B. kein Sodbrennen und lässt sich auch ohne Qualitätseinbußen sehr gut erhitzen. Daher stammt auch der Name “Musakhan” (erhitzen, heiß machen, erhitzt). Neben dem Olivenöl gibt es eine weitere Zutat, die hier eine ganz wichtige Rolle spielt: Sumach!

Sumach ist ein Gewürz, das aus den Beeren des Sumach-Strauchs gewonnen wird und angenehm säuerlich schmeckt. Aber allein mit “säuerlich” kann man den Geschmack nicht beschreiben. Sumach hat einen ganz eigenen, vollmundig fruchtigen und außerdem leicht herben Geschmack. In Kombination mit einem sehr guten Olivenöl und etwas Salz ergibt sich eine Geschmacksexplosion, die man in der Art von so “wenigen” Zutaten nicht erwarten würde – und das ganz ohne künstliche Geschmacksverstärker. Und so lässt man dann einfach Zwiebeln in bestem Olivenöl mit Sumach und etwas Salz karamellisieren.

Musakhan kann man demnach ganz gut als eines der wichtigsten Gerichte Palästinas bezeichnen.

Der Boden aller guten Dinge: Das Fladenbrot

Wenn du Musakhan ganz authentisch zubereiten möchtest, brauchst du Taboon-Brot, das in Palästina heute noch in den Öfen aus Ton gebacken wird. Es ist ähnlich dünn, wie das libanesiche Fladenbrot, lässt sich aber nicht auftrennen und hat viele kleine Bläschen auf der Oberfläche. Aber keine Sorge, du kannst das Gericht auf jeden Fall auch mit libanesischem Fladenbrot oder Naan-Brot zubereiten. Bei Musakhan kommt nichts von den guten Zutaten weg. Verschwendung wird nicht toleriert! Für die Zubereitung des Hähnchens greife ich persönlich immer auf ein ganzes Hähnchen zurück und brate es im Ganzen oder zerlege es in die einzelnen Teile. Das Fladenbrot nimmt anschließend den herrlichen Bratensaft auf und wird dann mit den karamellisierten Sumach-Zwiebeln belegt. Auch hier zieht das Olivenöl und der fantastische Sumach-Geschmack in das Brot ein. Du kannst dir bestimmt schon vorstellen, wie unfassbar gut das Brot schmeckt.

Es ist also nicht die Masse an Zutaten, die Musakhan ausmacht, sondern deren Qualität. Das Gericht ist nicht teuer und auch sehr einfach zubereitet. Du bekommst im Handumdrehen saftig gebratenes Hähnchen, fantastisches Olivenöl, mit Sumach karamellisierte Zwiebeln und leckeres Fladenbrot. Ein Essen, das jedes Mal mein Herz berührt und meine Finger dreckig macht – denn Besteck brauchst du hier garantiert nicht.

Musakhan ist ein einfaches Bauernessen, das du jederzeit auch einem König servieren könntest.


Rezept für Musakhan

Musakhan
Rezept drucken
Vorbereitungszeit 10 Min.
Zubereitungszeit 1 Std.
Arbeitszeit 1 Std. 10 Min.
Portionen 2 Personen

Zutaten

Hähnchen & Marinade

  • 1 Hähnchen ca. 1 Kg
  • 4 Knoblauchzehen
  • 2 TL Piment gemahlen
  • 1 TL Cumin gemahlen
  • 1 TL Kardamom gemahlen
  • 1 TL Zimt
  • 4 EL Zitronensaft
  • 1 TL Koriander gemahlen
  • 2 TL Salz
  • 1,5 EL Sumach
  • 60 ml Olivenöl Extra Nativ

Sumach-Zwiebeln & Co.

Anleitungen

Hähnchen & Marinade

  • Für die Marinade Knoblauch schälen und im Mörser fein zerstoßen. Knoblauch und alle Gewürze, Zitronensaft und Olivenöl miteinander vermengen.
  • Hähnchen waschen und trocken tupfen. Das Hähnchen in der Mitte der Brust aufschneiden und aufklappen oder das Hähnchen direkt in teile separieren.
  • Hähnchen oder Hähnchenteile ordentlich mit der Marinade einreiben und darin für mindestens 1 Stunde oder besser über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.
  • Ofen auf 180 °C vorheizen und das marinierte Hähnchen auf einem tiefen mit Olivenöl bestrichenem Blech darin für ca. 1 Stunde garen.

Sumach-Zwiebeln & Co.

  • Zwiebeln schälen, halbieren und in Halbringe schneiden.
  • Olivenöl in einer Pfanne auf hoher Stufe erhitzen und die Zwiebeln darin ca. 5 Minuten scharf anbraten.
  • Herd auf mittlere Stufe stellen und Sumach und Salz hinzugeben und ordentlich miteinander vermengen.
  • Zwiebeln weitere 10 Minuten auf mittlerer Stufe karamellisieren lassen. anschließend vom Herd nehmen.
  • Koriander grob hacken. Pinienkerne in einer Pfanne goldbraun anrösten und aus der Pfanne nehmen.
  • Gegartes Hähnchen aus dem Ofen holen. Hähnchen vom Blech nehmen. Fladenbrote auf das selbe Blech legen und den Bratensaft aufnehmen lassen.
  • Fladenbrot anschließend auf Teller oder einer großen Platte verteilen. Karamellisierte Sumach-Zwiebeln darauf verteilen und das Hähnchen oder Hähnchenteile verteilen und mit gerösteten Pinienkernen und gehacktem Koriander garnieren.

Notizen

*Rezept enthält Affiliate-Links.

Probier auch gerne mal Kafta oder Hähnchenspieße mit Sumach-Zwiebeln

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8 Kommentare

  1. 5 stars
    Lieber Rafik,

    ich habe es gestern ausprobiert. Kannte ich aus Aleppo noch nicht. Ist ja auch eher palästinensisch. Auf jeden Fall hat es fantastisch geschmeckt. Vielen Dank an den Freund deines Vaters als ursprünglicher Überbringer dieses leckeren Rezepts.

    Ich habe da allerdings noch eine Frage, bzw. Anmerkung zum Rezept: Aus der Beschreibung geht nicht eindeutig hervor in welcher Form der TL Cardamom zur Marinade gegeben wird. Ich habe mich für gemahlenen Cardamom entschieden, weil es am logischten schien, befürchtete allerdings, dass es sehr vorschmecken könnte, was schließlich doch nicht der Fall war, jedenfalls für meinen Geschmack. War meine Entscheidung richtig? Auch wenn sie falsch war, wäre es hilfreich, wenn du deine Rezeptur entprechend anpasst.

    Vielen Dank noch einmal füe das herrliche Rezept!

    FaresElHalabi

    1. Hallo lieber Fares 🙂
      Vielen lieben Dank für dein tolles Feedback. Es freut mich wirklich sehr, dass dir Musakhan so gut geschmeckt hat. Du hast alles richtig gemacht. Der Kardamom kommt in gemahlener Form ins Gericht. Ich habe das Rezept auch dementsprechend angepasst. Danke dir nochmal 🙂

      Liebe Grüße
      Rafik

  2. 5 stars
    Hallo Rafik,
    als gestern nachmittag langsam der Duft des Hähnchens durch die Räume zog, fragte mich mein Mann, was ich denn zu essen machen wollte. Sagte ich ihm, das ein Hähnchen im Ofen ist. Meinte er, das riecht schon so gut. Und so gut hat es ihm auch geschmeckt. Ich kann Deine Rezepte nur loben. Und froh bin ich, daß es meinem Mann auch schmeckt. Daher kann ich immer einige in denvWochenplan einbauen.
    Lieben Gruß
    Heike

    1. Hallo Heike,
      vielen lieben Dank!Ich freue mich wirklich riesig 🙂
      Schön, dass es euch geschmeckt hat. Musakhan riecht wirklich super gut. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß beim Kochen & Genießen.

      Liebe Grüße
      Rafik

  3. 5 stars
    Rafik, das ist der Hammer. Ich war 2012 im Libanon und schon damals habe ich nicht nur das Land und seine Leute sondern auch die himmlische Küche der Levante lieben gelernt. Habe heute meiner Familie Shakshuka zum Frühstück gemacht … nach Deinem Rezept. Der Beschluss…unsere libanesische Küchenwoche a la Bistrobadia ist eröffnet…der Himmel auf Erden kommt…

    1. Hallo Holger,
      besten Dank für dein fantastisches Feedback. Ich wünsche euch viel Spaß bei euerer libanesischen Küchenwoche und natürlich guten Appetit 🙂

      Liebe Grüße
      Rafik

  4. 5 stars
    Hallo 🙂
    Ich habe gestern dieses unfassbar leckere Huhn zubereitet. Mein Freund kommt aus Kafranbel und er hat zwei weitere Freunde zu uns eingeladen. Alle 3 Jungs kannten dieses Gericht noch nicht und haben gesagt, dass es auch im Vergleich zu zu Hause das beste Huhn ihres Lebens war (zubereitet von einem Alman 🤭 Es wurden sogar Bilder an die Mütter gesendet :D).

    Also vielen Dank für das meeega Rezept (& alle anderen tollen Rezepte! Ich habe schon einiges von deinem Blog ausprobiert und werde das auch ganz sicher weiterhin).

    Kochen verbindet Welten und mit dem Musakhan bleibt man definitiv im Gedächtnis !

    Viele Grüße
    Maria ☀️ 🌸

    1. Hallo Maria,
      vielen lieben Dank für dein mega Feedback. Ich musste wirklich lachen, als ich das mit dem “Alman” gelesen habe 😀
      Es freut mich wirklich sehr, dass ihr viel Freude am Rezept hattet. Weiterhin viel Spaß beim Kochen 🙂

      Liebe Grüße
      Rafik

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